20 JAHRE ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT IN SÜDKAMERUN

Zu Beginn fokussierten wir unsere Tätigkeiten auf Ngoulémakong, einen Ort im tropischen Süden des Landes. Nach einer Situationsanalyse in den Jahren 1994 bis 1996 wurden die Projektaktivitäten von FONJAK auf den gleichnamigen Bezirk Ngoulémakong und später auf die gesamte Provinz Südkamerun ausgedehnt. Die Aktivitäten umfassten  vor allem intensive landwirtschaftliche Beratung vor Ort und Weiterbildungen. Ein Team von Fachleuten der FONJAK beriet die Bevölkerung bei der Produktion und Vermarktung ihrer Produkte. Das Team war auch behilflich beim Aufbau von sozialverträglichen wirtschaftlichen Strukturen: so entstanden beispielsweise kleine Bauernorganisationen, die wiederum in Genossenschaften vereint wurden. In Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Forschungsinstituten sowie den lokalen Bauernorganisationen, wurden Lösungen für anstehende Probleme entwickelt. Die Beratung der Bäuerinnen und Bauern zur Optimierung der landwirtschaftlichen Produktion fand direkt auf ihren Feldern sowie auf den FONJAK eigenen Demonstrationsparzellen statt. So vermittelten wir zwischen Forschenden und Kleinproduzenten und konnten den Austausch von Wissen und Erfahrung fördern. Mit den staatlichen Stellen sowie den internationalen und nationalen Nicht-Regierungs-Organisationen und Forschungsanstalten wurde über die Jahre ein ausgedehntes Netzwerk aufgebaut. FONJAK entwickelte sich bezüglich Verlässlichkeit, Konstanz und Vertrauenswürdigkeit über diese Zeit zu einer bedeutenden Institution auch über die Provinzgrenzen hinaus.

In rund 200 Dörfern führten wir in den letzten zwei Jahrzehnten verschiedenste Aktivitäten durch. Diese reichten von reinen Weiterbildungen über praktische Kurse (z.B. zur Verarbeitung von Maniok zu Stärke) bis zu konkreten Umsetzungen (z.B. der Aufbau von Baumschulen oder die Gründung von Bauernorganisationen). Die Zusammenarbeit fokussierte sich auf organisierte Gruppen. Nur in wenigen Fällen erhielten auch Einzelpersonen Unterstützung. Zwischen 2004 und 2012 profitierten über 12‘000 Personen direkt von FONJAKs Aktivitäten. Die meisten davon innerhalb einer der über 100 Bauernorganisationen, welche grösstenteils von FONJAK mitbegründet und begleitet wurden. Aufgrund dieser Zahlen schätzen wir, dass rund 60‘000 Personen direkt und indirekt von der Anwesenheit von FONJAK profitierten. Eine NGO wie FONJAK kann so sehr grossen Einfluss auf die Entwicklung einer Region haben. Von zentraler Bedeutung ist dabei auch die Kontinuität: Im Gegensatz zu anderen Entwicklungsorganisationen oder Behördenmitgliedern der Region ist FONJAK während 20 Jahren am gleichen Standort für die Waldbevölkerung immer erreichbar gewesen.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN ZUM GEBIET

Das Departement Mvila mit 164'000 Einwohnern hat eine Fläche von rund 8'700 km2. Die Stadt Ebolowa als Hauptsitz des Departements liegt etwa 150 km südlich der Landeshauptstadt Yaoundé und 100 km nördlich der Nachbarnländer Äquatorial Guinea und Gabon. Südwestlich grenzt das Departement an die Grenze zu Gabon. Erhebungen aus dem Jahre 2006 in 370 Haushaltungen haben ergeben, dass etwa die Hälfte der Einwohner im Anschluss an die Primarschule keine weitere Ausbildung mehr absolviert hat. Die Mehrheit wohnt in Lehmhäusern und nur knapp 50% der Haushalte haben einen Stromanschluss. Boulou ist mit 73% Anteil die grösste ethnische Gruppe, vor den Bane (17%), den Fong (8%) und anderen (2%). Rund 94% der Bevölkerung gehören der katholischen oder der protestantischen Kirche an. Landwirtschaft ist der Haupterwerbszweig. Trotz verschiedener Preisstürze und ungenügender Unterstützung gehört Kakao nach wie vor zur Hauptkultur landwirtschaftlicher Produkte. Der Wirkungsbereich von FONJAK liegt im Einzugsgebiet des Kongo Beckens. Dieses wurde von den Forschungsanstalten von IITA, IRAD und CIFOR definiert und in drei Zonen eingeteilt. Diese liegen zwischen der Landesgrenze Gabon bis Ngoulemakong, von Ngoulemakong bis Mbalmayo und die letzte Zone von Mbalmayo bis Yaoundé. Der Aktionsradius von FONJAK umfasst das Departement Mvila, welches sich von Ngoulemakong bis zur Staatsgrenze von Gabon erstreckt.

Karte von Kamerun.
 

AUSGANGSLAGE

Die Brandrodung ist massgeblich für die fortschreitende Degradierung des Sekundärwaldes verantwortlich. Zwischen 1980 und 2001 nahm die Degradierung im Departement Mvila um 4% oder 31'500 ha zu. Verschiedene Erhebungen zeigen aber auf, dass die Degradierung nicht nur auf die Holzgewinnung der lokalen Bevölkerung zurück zu führen ist, sondern auch auf die natürlicherweise rasche Abnahme der Bodenfruchtbarkeit und dem damit verbundenen Ausweichen der Bauern auf neue Kulturflächen. Die langen Regenerierungsphasen der Brachen, minderwertiges Saatgut, unvorteilhafte Anbautechnik und die ungenügenden Absatzmöglichkeiten verschlimmern die Situation. Der letztgenannte Punkt ist sicherlich auch auf die Abgeschiedenheit, aber vor allem den misslichen Fahrwegen zu zuschreiben. Ungenügende oder fehlende Marktstrukturen verschärfen die Situation der Vermarktung der Agrarprodukte. Eine technische Begleitung in der Produktion von Qualitätssaatgut, der Diversifikation von Landwirtschaftskulturen, im bodenschonenden Anbau oder im Aufbau von Marktstrukturen ist kaum oder überhaupt nicht vorhanden.
 

LÖSUNGSANSÄTZE

Lösungsansätzen gibt es auf verschiedenen Ebenen: Sensibilisierung und Ausbildung von Bauernorganisationen, Suche nach geeignetem Saatgut, Effizienzsteigerung in der Anbautechnik sowie Aufbau von Marktstrukturen. Ein weiterer Schritt ist die Steigerung der Wertschöpfung dank angepasster Technik in der Verarbeitung von Agrarprodukten. Die Erhaltung und Aufwertung des Sekundärwaldes soll durch nachhaltige Nutzung und Verarbeitung von Nicht-Holz-Produkten (Nüsse und Früchte von Bäumen) erreicht werden. Eine bodenschonende Bewirtschaftung soll die Bodenfertilität über eine längere Anbauzeit erhalten oder gar verbessern. Die Förderung der Tierzucht kann Schäden an Kulturen reduzieren und den Rückgang des Wildtierbestandes in den Agglomerationen vermindern.

Grundlage aller Massnahmen ist die gemeinsam mit Bauernorganisationen und andern NGOs des Departements Mvila entwickelte Strategieplanung. Weiter stützen sie sich auf Resultate und Erfahrungen der verschiedenen Fachstellen und Forschungsinstitutionen. Mit einer jährlichen Überarbeitung der Planung aufgrund einer Autoevaluation sollen die neuen Gegebenheiten und Veränderungen berücksichtigt und regelmässig angepasst werden.
 


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